Der Anfang
Ein Wohnzimmer in Stuttgart, Heusteigstrasse, im Frühjahr 1995:
Vor der romantischen Kulisse einer Palmentapete sitzen eine paar Leute zusammen. Die ungewöhnliche Zusammensetzung springt dem Betrachter in´s Auge:
Ein zotteliger Student sitzt neben einem Gothikmädchen, ein Teenager, punkig gestylt, klimpert auf seiner Gitarre, ein paar „Normalos“ treffen ein und das ganze kann losgehen.
Meli singt, Tommy spielt Gitarre und der Rest versucht so gut es geht zu singen (oder besser mitzugröhlen). Ein paar Gebete dazwischen, meistens eher Hilfeschreie: „Jesus, Du siehst unser Chaos hier, bitte hilf uns. Ohne dich sind wir nichts, mach doch aus uns was du möchtest.“
Vielleicht hat jemand etwas vorbereitet, erzählt etwas aus der Bibel oder wie er Gott diese Woche erlebt hat. Diskussionen brechen los, zur Freude einiger-zum Frust anderer. Alles wirkt irgendwie chaotisch, anarchisch aber auch ehrlich.
So ungefähr sahen die ersten treffen der Jesusfreaks Stuttgart aus. Eigentlich hatte niemand einen Plan was das Ganze soll und wo es hinführen würde.
Was uns in aller Unterschiedlichkeit verband war die Sehnsucht Christsein anders zu leben.
Ein Traum von Gemeinde in der wir uns mit aller Kaputtheit wohlfühlen können, keine Organisation sondern Familie in der wir einfach sein können wie wir sind. Nicht zur Orgelmusik oder frommen Schlagermelodien Gott zu loben sondern mit dem Musikstil den wir schön finden. Gemeinde zu leben in die wir unsere Freunde mitbringen können, ohne daß sie vorher den Kleidungstil anpassen oder fromme Worterklärungen bekommen müssen.
Gott sollte der Chef sein und alles bestimmen, keine festgefahrenen Traditionen.
Dieser Traum stand am Anfang.